Ich bin fest davon überzeugt, dass zum erfolgreichen Trading das Rad nicht neu erfunden werden muss. Es gibt viele altbewährte Werkzeuge mit denen man optimal arbeiten kann. Das klingt vielleicht langweilig, aber das ist die Realität und ausserdem mag ich oldschool Trading.
Unterstützungen und Widerstände und der sich daraus ableitende Paritätswechsel sind Tools die dir dabei helfen können die Wahrscheinlichkeiten von Kursbewegungen besser einschätzen zu können.
Ich gebe hier einen Einblick in die Funktionsweise dieses Werkzeugs….weil sie sehr wichtig ist, vor allem, wenn du nach dem Ansatz des Price Action Tradings handelst.
Am Ende des Artikels findest du auch zwei Kurzvideos für die exaktere Erklärung.
Apropos Price Action!
Da ich ausschließlich nur horizontale Linien als Unterstützungen und Widerstände verwende, gehe ich auf andere charttechnische Tools die U/W darstellen jetzt nicht ein. Diese wären z.B. Trendlinien (also diagonale Linien), Begrenzungen von Chartformationen, gleitende Durchschnitte (Indikator),…
Price Action Trading ist der Handel am (fast) nackten Kerzenchart ohne Indikatoren und mit Hilfe von diversen horizontalen Linien. Ja du hast richtig gelesen…keine Indikatoren….wir handeln nämlich direkt den aktuellen Preis….und dieser ist der aktuellste Indikator.
WIDERSTÄNDE UND UNTERSTÜTZUNGEN
…sind Kursmarken an denen der Kurs meistens eine Reaktion zeigt. Aber welche Reaktion?
Kurse kennen nicht nur eine Richtung. Sie steigen und sie fallen. Nachdem der Kurs gestiegen ist erreicht er ein Level an dem er nicht mehr weiter steigen kann und beginnt zu fallen bzw. zu korrigieren. Am Kursverlauf bildet sich ein Hochpunkt. Dieses Hoch stellt für die spätere Kursbewegung einen Widerstand dar und kann mit einer horizontalen Linie markiert werden.
Da die technische Analyse jedoch keine Ingenieursarbeit ist, ist sie nicht Millimeter-genau. Deshalb nennt man eine Widerstandslinie auch als Widerstandszone. Widerstandszonen können markiert werden indem man die horizontalen Linien sowohl auf den Kerzenschatten und als auch auf den Kerzenkörper zieht. Diese sind Preisbereiche an denen der Kurs beim nächsten Anstieg auf Verkäufer treffen kann und den Kurs zum Fallen bringt.
Unterstützungen funktionieren genauso, nur spiegelverkehrt.
Der Kurs fällt und an einem bestimmten Level kommen die Käufer in den Markt und stoppen den Kursrückgang. Der erste Tiefpunkt kann mit einer horizontalen Linie markiert werden (hier grün). Eine Unterstützung ist umso stärken je öfter diese angelaufen wird und als Unterstützung hält – also der Kurs wieder ansteigt nachdem der Kurs den Preisbereich um die Unterstützung angelaufen hat.
Wichtig dabei ist, dass eine Unterstützung erst dann als gebrochen gilt, wenn die Kerze darunter schließt. Wenn der Kurs lediglich einen Spike (Stich) darunter macht, aber der Kerzenkörper darüber schließt, dann wurde die Unterstützung nicht gebrochen.
DER PARITÄTSWECHSEL
Das ist der wichtigste Punkt, wenn der Trader aus dem Verhalten von Unterstützungen und Widerständen einen Tradingsetup entwickeln will.
Wird eine Unterstützung von oben nach unten durchbrochen,
dann wechselt sie ihre Rolle zu einem Widerstand.
(negativer Paritätswechsel)
Wird ein Widerstand von unten nach oben durchbrochen,
dann wechselt er seine Rolle zu einer Unterstützung.
(positiver Paritätswechsel)
Die Bezeichnung „Paritätswechsel“ kann man am besten mit Rollentausch vergleichen. Widerstand und Unterstützung tauschen ihre Rolle.
Die Unterstützung verläuft immer unter dem aktuellen Kurs und der Widerstand befindet sich immer über das aktuelle Kursgeschehen.
Der Paritätswechsel besteht aus 3 Schritten.
Schritt 1: Ein Widerstand wird per Kerzenschlusskurs von unten nach oben durchbrochen (Paritätswechsel).
Schritt 2: Der Kurs testet den durchbrochenen Widerstand, also die neue Unterstützung, von oben nach unten wieder an.
Schritt 3: Der Kurs steigt erneut an in Richtung des Durchbruchs.
Auf dem unteren Bild siehst du einen Aufwärtstrend.
In einem Aufwärtstrend entstehen immer wieder Widerstände, die gebrochen (Paritätswechsel) und dann wieder angelaufen werden.
OKAY…wie kannst du das nun in dein Trading anwenden?
Bein einem positiven Paritätswechsel kannst du beim Rücklauf an die Unterstützung eine Long-Position aufnehmen (kaufen). Dabei setzt du den Stop unter das letzte Tief.
Bei einem negativen Paritätswechsel kannst du beim Rücklauf an den Widerstand eine Short-Position eingehen (verkaufen). Den Stop legst du idealerweise auf das letzte Hoch.
Vorteil des Tradings mit dem Paritätswechsel ist, dass du diesen Ansatz auf jeder Zeiteinheit anwenden kannst bei liquiden Werten. Je liquider ein Basiswert (Aktie, Währungspaar, Index, Rohstoff,…) umso sauberer funktioniert die technische Analyse.
Nachteil…(naja…als Nachteil würde ich es eigentlich nicht nennen)…ist…dass es einiges an Übung braucht bis man mit bloßem Auge die Widerstände, die Unterstützungen und den Paritätswechsel am Chart erkennt. Auch hier gilt: Übung macht den Meister.
Anbei ein Beispiel mit negativen Paritätswechseln:
Das ist ein Chart vom Dow Jones Futures als 60-Minuten-Chart. Wie gesagt…es könnte auch ein 5-Minuten-Chart sein. Dort gelten die gleichen Regeln.
Hier wird die Unterstützung gebrochen, der Kurs läuft den neuen Widerstand mehrmals an bis er ihn durchbrechen kann und es kommt wieder zu einem Paritätswechsel.
Selbstverständlich kommen Paritätswechsel in kleineren Zeitfenstern (z.B. 5-Min-Chart) öfters vor als auf einem Stunden- oder 4-Stunden-Chart.
Das untere Bild zeigt den Verlauf des Dow Jones Mini Futures (YM) aus Januar – Februar 2020.
GUT, ABER WIE WAR DAS FRÜHER?
Das folgende Bild ist auch der Dow Jones jedoch aus den 1930er Jahren. Es gab keine technische Analyse-Tools, keine Trading-Algorithmen, keine Computer. Nichts. Vieles hat sich seitdem verändert, jedoch die menschliche Psyche – die zum Großteil die Kursbewegungen generieren – ist ähnlich, wenn nicht gleichgeblieben.
Ich hoffe ich konnte dir die Bedeutung von Unterstützungen und Widerständen in diesem Beitrag näherbringen.
Video zur Unterstützung und Widerstand und zum Paritätswechsel (Theorie):
Video für die Praxis: