„Das wird abgehen wie eine Rakete!“
– sagte ein Freund von mir als ich im Oktober 2000 meine allererste Aktie gekauft habe. Die Aktie ist wirklich abgegangen…wie eine defekte Rakete nach dem Start…und zerschellte am Boden.
Mein erstes Investment war ein Totalverlust. Gekauft im Jahr 2000 (ich wusste ja nicht, dass wir uns am Ende der Dotcom-Blase befinden), verkauft in 2011. Zum Glück war ich Angestellter in der BAWAG PSK Bank und musste keine Depotgebühr zahlen. Die Aktie wurde nach 11 Jahren wertlos ausgebucht, denn die Verkaufsspesen auf der Kanadischen Börse wären teurer gewesen als der Gegenwert meiner Aktien. Denn….die Hoffnung stirbt zuletzt.
Was habe ich in der Bank über den Kapitalmarkt gelernt?
Viel theoretisches Wissen über Aktien, Fonds, Anleihen und Derivaten. Also die Basics. Das Allgemeine.
Seither ist viel Zeit vergangen. Im Jahr 2006 machte ich den ersten Schritt in Richtung meiner Traderausbildung. Eine Erfolgsakademie in Budapest wo mir die Grundlagen über den Kapitalmarkt, über die Technische Analyse, Risikomanagement, Orderarten, und allem was dazugehört detailliert vermittelt wurden.
Woran ich mich aus dieser Ausbildung gerne zurückerinnere?
Wir haben von unserem Mentor ein Millimeterpapier bekommen, einen Datensatz ausgedruckt auf einem A4-Blatt und wir mussten als Hausübung anhand des Datensatzes (Open, High, Low, Close von Aktien) am Millimeterpapier die Candlesticks zeichnen. Damals konnte ich es nicht verstehen warum der Lehrer uns damit quält…dann habe ich es mit der Zeit verstanden. Die Anatomie von Kerzencharts wurde in unsere Köpfe gebrannt. Eine tolle Sache die mir später viel geholfen hat.
In 2008 und 2009 habe ich die Börsenhändlerlizenz für den Kassa- und Terminmarkt erlangt, welche ich mit der Zertifizierung als Technischer Analyst (CFTe II) ergänzt habe.
Diese Ausbildungen setzen woraus, dass man weiss wovon man spricht, aber eines kann ich dir sagen…Trading lernt man dadurch nicht. Man wird zwar der Diplomingenieur des Formel 1 Wagens, jedoch heisst das nicht, dass man es auch fahren kann.
Von 2006 bis 2010 habe ich alles mögliche gehandelt. Aktien, Optionen, Zertifikate, Optionsscheine, Futures und CFDs. Nicht erfolgreich. Es waren aber nie der Markt, der Broker oder die Menschen um mich Schuld. Nur ich selbst. Ich dachte ich bin gut…das war ich aber nicht. Vom professionellen Trading war ich meilenweit entfernt.
In 2010 kam dann das AHA-Erlebnis.
Ich wurde gefragt, ob ich die Tradingworkshops der European Trading Academy (trAdac) von Birger Schäfermeier in Ungarn dolmetschen könnte. Birger’s Handelsansätze und Marktphylosophie haben mir auf Anhieb gefallen. Das Fundament für meine Analysemethoden wurden nun gelegt. Nackte Kerzencharts, ohne viel Schnick-Schnack. Horizontale Linien und die Trendtheorie von Charles Henry Dow – einer der Namensgeber des Dow Jones Index. „Learn to read the tape!“ (Anm.: mit Tape ist hier der Chart gemeint)
Später hatte ich die Möglichkeit das Livetradingroom für die trAdac zu dolmetschen und für das ungarische Publikum auch zu führen. Ich habe es geliebt. Den ganzen Tag am Markt. Mit Zuschauern. Am Livekonto.
Was war das Besondere daran?
Im Livetradingroom gibt es kein Danebenreden. Keine Super-Trades aus der Vergangenheit die man als Dopaminbooster den Zuschauern zeigen kann. Echtzeithandel unter realen Bedigungen. Wie analysiere ich, wie steige ich ein, wie manage ich die Position und wie steige ich aus.
Nun bin ich seit 22 Jahren am Markt. Es gab viele Höhen und Tiefen, aber…einmal Trader immer Trader…und das mit Leidenschaft.
MEIN TRADING
„Gleichgültig, ob langfristiger Anleger oder kurzfristiger Trader –
beide versuchen die Wahrscheinlichkeiten für zukünftige Kursbewegungen abzuschätzen.“
„Trade was du siehst und nicht was du sehen willst!“
„Take care of the risk and the profit will take care of you!”
…diese sind meine Hauptleitsätze im aktiven Handel.
Mein Tradingstil basiert ausschließlich auf die Analyse des Angebots und der Nachfrage oder anders ausgedrückt auf die Analyse des Kursverlaufs anhand der technischen Chartanalyse. Den Inhalt von Fundamentaldaten oder Nachrichten berücksichtige ich bei meinen Tradingentscheidungen nicht, da einerseits diese sofort nach Veröffentlichung durch automatische Algorithmen in den Kurs eingepreist werden und andererseits niemand wissen kann, wie die Masse der Marktteilnehmer auf Nachrichten reagiert.
Ich stelle mir keine Warum-Fragen – warum der Kurs gefallen oder gestiegen ist. Begründungen für die Kursbewegungen gibt es immer, es gibt jedoch niemanden der alle Interessen im Markt kennt. Nur im Kurs sieht man, ob mehr Angebot oder Nachfrage vorhanden war. Meiner Meinung nach ist die Frage nach dem „Warum“ lediglich eine Illusion nach Sicherheit und Bestätigung.
Ein Marktanalyst hat die Aufgabe die Gründe für Kursanstiege und Kursrückgänge zu finden und zu präsentieren, ein Trader muss jedoch direkt am Marktgeschehen, in der Kursbewegung sein Geld verdienen. Eine detaillierte Marktanalyse ist natürlich auch für den Trader essentiell. Er muss anhand seiner technischen Hilfsmittel die Wahrscheinlichkeiten für den Kursverlauf einschätzen können. Da jedoch niemand in der Lage ist den Markt immer korrekt zu prognostizieren ist die strikte Anwendung von Risikomanagement unumgänglich. Bevor er die Position eröffnet muss der Trader wissen wo er seine Tradingidee verwirft, wenn diese die Bedingungen nicht erfüllen.
Apropos Nachrichten!
Selbstverständlich muss auch der Trader die News im Auge behalten und wissen wann marktbewegende Meldungen den Kurs stärker beeinflussen könnten, nämlich um seine Positionen rechtzeitig zu schließen, zu managen oder keine neuen Positionen zu eröffnen.
Mein Trading ist rein diskretionär, basiert nicht auf automatische Algorithmen, sondern erfolgt ausschließlich manuell. Dabei verwende ich altbewährte Techniken, nämlich die Regeln aus der Trendtheorie von Charles Dow – die Hoch- und Tiefpunkte im Kursverlauf, auch Markttechnik genannt.
Ich bevorzuge „leere“ Kerzencharts, sprich Price Action Charts, analysiere den Trend und ergänze das Chartbild mit horizontalen Linien.
Weitere Tools die bei meinen Tradingstrategien eine bedeutende Rolle spielen:
Indikatoren und Oszillatoren finden in meinem Trading keine Verwendung, da diese aus dem Kursverlauf und Mittelwerten generiert werden und die Vergangenheit wiederspiegeln. Beim kurzfristigen Handel ist jedoch das Timing von hoher Bedeutung und der aktuellste Indikator ist der Preis selbst. Ein ausgeklügeltes Risikomanagement rundet meinen Handelsstil ab.
Wenn du bis hier alles gelesen hast, dann sage ich „Wow! Danke für deine Zeit!“
Liebe Grüße
Gabor Mehringer
E-Mail: trading@gabormehringer.com