Technischer Handel bedeutet, Entscheidungen auf Basis des Charts zu treffen: Kursverlauf, Struktur und wichtige Preiszonen. Nachrichten und Fundamentaldaten bewegen die Märkte, aber der Chart zeigt dir, wie die Marktteilnehmer tatsächlich darauf reagieren.
Ich arbeite dabei mit Price Action, also mit dem reinen Kursverlauf ohne Indikatoren-Wirrwarr. Hier bekommst du einen Überblick über die Bausteine meiner Methode. Klick auf ein Thema, um mehr zu erfahren.
Die Bausteine meiner Methode
Price Action statt Indikatoren
Indikatoren wie RSI oder MACD werden aus dem Kurs berechnet und hinken ihm daher immer hinterher. Price Action setzt direkt beim Kurs an: Kerzen, Hochs und Tiefs sowie die Reaktion an wichtigen Zonen.

Der Vorteil: Dein Chart bleibt übersichtlich, und du lernst, den Markt selbst zu lesen, statt dich auf Signale zu verlassen, die andere Werkzeuge für dich berechnen.
Price Action und Smart Money Concept (SMC)
Smart Money Concept, kurz SMC, ist kein Gegensatz zur Price Action, sondern eine Spielart davon. Beide lesen den reinen Kursverlauf und kommen ohne klassische Indikatoren aus. SMC gibt den Mustern eigene Namen und stellt eine Frage in den Mittelpunkt: Wo liegt Liquidität, und wohin könnte der Kurs als Nächstes laufen, um sie abzuholen?
Die wichtigsten Begriffe:
- Break of Structure (BOS) und Change of Character (CHoCH): Der Kurs bricht die Marktstruktur, entweder in Trendrichtung oder dagegen.
- Liquidity Sweep: Der Kurs läuft kurz über ein Hoch oder unter ein Tief und dreht dann.
- Fair Value Gap (FVG): eine Kurslücke nach einer schnellen Bewegung, in die der Kurs oft zurückkehrt.
- Order Block: die letzte Gegenkerze vor einer starken Bewegung.
Vieles davon kennt die klassische Charttechnik unter anderem Namen: Ein Liquidity Sweep ist ein Fehlausbruch, ein CHoCH ein Trendbruch, eine Demand-Zone eine Unterstützung. Die Begriffe sind neu, die Kursmuster dahinter sind es nicht.
Wichtig für die Einordnung: Was große Marktteilnehmer tatsächlich tun, lässt sich aus dem Chart nicht ablesen. SMC beschreibt wiederkehrende Kursmuster und keine gesicherten Orderdaten. Nimm die Konzepte als Werkzeuge, um den Kursverlauf zu strukturieren, und nicht als Blick hinter die Kulissen.
Der Chart als Werkzeug: Futures-Chart und Zeiteinheiten
Für die Analyse nutze ich den Futures-Chart, weil dort alle Marktteilnehmer an einer zentralen Börse handeln. Kurse und Volumen sind dadurch einheitlich und aussagekräftig, auch wenn du selbst über CFDs handelst.
Genauso wichtig ist die passende Zeiteinheit: Im Daytrading arbeite ich vor allem mit dem 5-Minuten-Chart. Für Swingtrading oder Positionstrading kommen Stunden-, Tages- und Wochencharts zum Einsatz. Die höhere Zeiteinheit gibt dabei die Richtung vor.
Marktstruktur: Trend oder Seitwärtsmarkt?
Bevor du einen Trade planst, musst du wissen, in welcher Phase sich der Markt befindet. Ein Aufwärtstrend zeigt höhere Hochs und höhere Tiefs, ein Abwärtstrend tiefere Hochs und tiefere Tiefs.
Fehlt eine klare Richtung, pendelt der Kurs seitwärts zwischen Unterstützung und Widerstand. Trendfolge funktioniert im Trend, in der Range sind andere Ansätze gefragt. Wer die Struktur falsch einschätzt, kämpft gegen den Markt.




Unterstützung, Widerstand und Supply/Demand-Zonen
Unterstützungen sind Bereiche, in denen Käufer bisher stark genug waren, den Kurs aufzuhalten. Widerstände sind das Gegenstück auf der Verkäuferseite. In der Praxis sind das selten exakte Linien, sondern Zonen.
Supply- und Demand-Zonen markieren Bereiche, aus denen der Kurs zuvor stark weggelaufen ist. Diese Bereiche können bei einem erneuten Anlaufen als Reaktionszonen dienen. Ein häufig zu beobachtendes Muster ist der Rollentausch: Ein gebrochener Widerstand wird zur Unterstützung und umgekehrt.
Mein Daytrading-Chart: Tageseröffnung und Session-Linien
Mein Chart ist bewusst schlicht: ein nackter Kerzenchart mit wenigen Hilfslinien. Die wichtigste ist die Tageseröffnung, dazu kommen die Eröffnungskurse zu festen Uhrzeiten: 08:00, 10:00, 14:00 und 15:30 Uhr (MEZ/MESZ). In den Wochen, in denen die USA und Europa die Uhren zu unterschiedlichen Terminen umstellen (im März und Ende Oktober), eröffnet die Wall Street nach Wiener Zeit schon um 14:30 Uhr.
Diese Zeitpunkte markieren typische Phasen im Handelstag, vom europäischen Vorhandel bis zur Eröffnung der Wall Street. Ob der Kurs über oder unter diesen Linien notiert, liefert mir eine klare Orientierung für die Richtung.

Kurslücken: Opening Gaps und Fair Value Gaps
Ein Opening Gap entsteht, wenn der Markt deutlich über oder unter dem Schlusskurs des Vortages eröffnet. Viele dieser Lücken werden im Tagesverlauf ganz oder teilweise geschlossen, aber nicht alle. Genau das macht sie spannend.
Eine Fair Value Gap ist eine Lücke innerhalb einer starken Bewegung: Zwischen dem Hoch der ersten und dem Tief der dritten Kerze bleibt ein Bereich ohne Überlappung. Solche Zonen werden später oft wieder angelaufen und dienen als mögliche Reaktionsbereiche.
Risikomanagement: Positionsgröße, Stop-Loss und Pyramidisieren
Die beste Analyse nützt nichts ohne Risikomanagement. Grundlage ist ein festes Risiko pro Trade, zum Beispiel 1 % des Kontos. Daraus berechnest du deine Positionsgröße: Risiko ÷ (Stopabstand × Punktwert).
Der Stop-Loss gehört dorthin, wo deine Trade-Idee ungültig wird, nicht dorthin, wo es sich gerade gut anfühlt. Fortgeschrittene Techniken wie Scale-in, Scale-out oder Pyramidisieren, also das Aufstocken einer Gewinnposition, helfen, Gewinne laufen zu lassen und das Risiko trotzdem im Griff zu behalten.
Teste dein Wissen: Im Wissenstest findest du 16 Fragen zu genau diesen Themen. Grundlagen zum CFD-Handel erklären die CFD-FAQ.
Hinweis: Die Inhalte dienen ausschließlich Schulungszwecken und stellen keine Anlageberatung dar. CFDs und Futures sind gehebelte Produkte mit hohem Verlustrisiko.
